Maja adoptierte einen Hund, an dem alles falsch war.
Mika war ein Border-Collie-Mix, anderthalb Jahre alt, knapp 20 Kilo. Auf den Fotos wirkte er ruhig. In der Beschreibung stand „verträglich, lernt schnell, sucht aktive Familie." Maja hatte einen Bürojob, eine kleine Wohnung im dritten Stock und vier Stunden Zeit am Wochenende. Sie las nur den ersten Teil.
Sechs Wochen später war ihr Sofa kein Sofa mehr, sie schlief vier Stunden pro Nacht und Mika hatte angefangen, an seinen Pfoten zu kauen. Es war nicht seine Schuld. Es war nicht Majas Schuld. Es war ein Match, das niemand richtig hingesehen hatte.
“Niemand hatte etwas falsch gemacht. Trotzdem mussten wir den Hund zurückgeben. Da wussten wir: irgendwo dazwischen fehlt etwas.
Wir fingen an, denen zuzuhören, die diese Arbeit jeden Tag machen.
Maja und Tobi — ihr Freund, der seit acht Jahren als Tierarzthelfer arbeitet — fuhren in die Tierheime und stellten dieselbe Frage immer wieder: Was läuft hier schief, das niemand sieht?
Die Antworten waren überall fast gleich. Online-Portale aus dem Jahr 2014. Profile, in denen der Hund eine Tabelle aus „Größe, Alter, geeignet für Kinder" ist. Adoptierende, die in der ersten schwierigen Nacht niemanden zum Anrufen haben. Und Statistiken, die ehrlich gesprochen alle kannten: rund jeder fünfte adoptierte Hund kommt im ersten Jahr zurück.
Drei Tierheim-Leiterinnen sagten uns am selben Abend denselben Satz. „Wir bräuchten ein Werkzeug, das die Sache verlangsamt, nicht beschleunigt." Das war der Moment, in dem wir wussten, was wir bauen.
Eine App, die zuerst Fragen stellt — und erst dann Hunde zeigt.
Wir setzten uns mit drei Verhaltensbiologinnen und vier Tierheim-Teams an einen Tisch und entwarfen einen Test mit 14 Fragen. Wann bist du das letzte Mal um sechs Uhr aufgestanden? Wie viel kannst du an einem Junitag, wenn alle wegfahren, wirklich opfern?
Petch ging mit drei Tierheimen aus Berlin und Brandenburg in den ersten Test. Heute arbeiten wir mit über vierzig Tierheimen und Rettungsorganisationen in neun Ländern. Mika lebt übrigens jetzt in Mecklenburg, bei einem pensionierten Förster mit Hektar Wald — der ihn beim zweiten Anlauf gefunden hat, über Petch.
Drei Jahre, eine Geradeauslinie.
Petch ist nicht über Nacht entstanden. Hier ist, wie wir hierher gekommen sind — von der ersten Tierheim-Tour bis heute.
Mika geht zurück
Die schwere Erkenntnis, die alles ins Rollen brachte.
Sechs Tierheime, ein Notizblock
Maja und Tobi besuchen Tierheime in Berlin, Brandenburg und Hamburg. Sie reden mehr als sie tippen.
Der Buddy Test entsteht
14 Fragen, mit drei Verhaltensbiologinnen entwickelt, vier Mal verworfen, einmal richtig gemacht.
Erster Prototyp
Tierheim Berlin, Tierheim Hamburg und PfotenRettung München testen Petch mit ihren Adoptierenden.
Öffentlicher Launch
Petch im App Store, mit zwölf Tierheim-Partnern und einer leisen Pressemitteilung.
Über 12.000 Adoptionen
Vierzig Tierheime, neun Länder. Wir machen weiter — langsam, sorgfältig, ohne Eile.
Vier Sätze, die wir in jeder Entscheidung wiedersehen.
Wir haben das nicht in einem Workshop entworfen. Es sind die Dinge, an denen wir uns wiederfinden, wenn etwas schiefläuft.
Tempo ist kein Wert.
Wir verlangsamen die Adoption an den richtigen Stellen — bei der Auswahl, beim ersten Treffen, in der ersten Woche. Eine gute Vermittlung dauert länger als eine schnelle.
Tierwohl vor allem.
Wir messen unseren Erfolg nicht in Downloads, sondern in Adoptionen, die halten. Wenn ein Hund nicht passt, sagen wir das — auch wenn der Mensch begeistert ist.
Mit Tierheimen, nicht für sie.
Jede Funktion wird mit den Menschen entwickelt, die täglich vermitteln. Wenn etwas keinen Sinn ergibt, fliegt es raus — auch wenn es uns Wochen gekostet hat.
Wir verschwinden nicht nach der Unterschrift.
Die ersten dreißig Tage sind die schwersten. Genau dort sind wir am stärksten da — mit Webinaren, Chat und Profis, die Anrufe wirklich beantworten.
Elf Menschen, ein Bürohund, viel Kaffee.
Petch ist klein und soll es eine Weile bleiben. Hier sind die drei, die das Ganze gestartet haben.
Ein kleines Büro in Kreuzberg. Eine alte Bäckerei mit zu vielen Pflanzen.
Wir sitzen in der Bergmannstraße, in einem Raum, der früher Brot gebacken hat. Drei Hunde liegen auf wechselnden Sofas. Freitags besucht jeder im Team mindestens ein Tierheim.